Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Stadion Zürich - Bis zum bitteren Umfallen

Gegen den Neubau des Hardturmstadions haben Anwohner erneut eine Einsprache eingereicht. (Tagesanzeiger, 22.8.08) Sie lehnen das Baugesuch für den Stadionsockel ab. Die Frage bleibt, ob und wie die gewählte Verhandlungstaktik der Stadt die Reaktion der Gegner - mindestens zu einem Teil - provoziert.

Inhaltlich mag Urs Spinner vom Hochbaudepartement Recht haben, wenn er die Rekurrenten bereits vor einem Monat schon einmal der reinen Zwängerei bezichtigte. Die Chancen auf einen Erfolg ihrer Einsprache sind wahrscheinlich gering. Aber darum geht es den Gegnern inzwischen nicht mehr. Die Auseinandersetzung  rund um den Stadionneubau ist längst zu einem Kampf “Mann gegen Mann”, bis zum bitteren Umfallen, ausgeartet. Sowohl die Befürworter und Gegnern kämpfen nicht mehr um Inhalte, sondern haben inzwischen ein Gesicht zu verlieren. Wäre es die Taktik der Bauherren gewesen, mit einem Verhandlungspaket anzutreten und mit den Verhandlungspartnern, wo inhaltlich möglich und sinnvoll, sich auf gemeinsame Lösungen zu Verständigen - die Gegner wären nicht als geschlagene Verlierer zurückgeblieben. Sie hätten immerhin einen Teilsieg vermelden und ihr Gesicht waren können. Vielleicht hätten sich dadurch auch die nun erfolgten Trotzreaktionen verhindern lassen.

“Ein Rekurs von Seiten der Anwohner wäre reine Zwängerei”, Blogeintrag vom 25. Juli 2008

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1 Kommentar

  1. Der Aussage, es würde sich nun nicht mehr um eine inhaltliche Diskussion handeln, stimme ich zu. Offensichtlich, dass es um die Befindlichkeit der Beteiligten geht.

    Andererseits lässt der eigentlich unerwartete Rekurs die Grundsatzdebatte wieder an die Oberfläche spülen. Nur ist das Mittel zum Zweck das falsche.

    Tatsache ist, dass Stadien und Multikomplexe zur archidektonischen salonfähigen Mode geworden sind. Irgendwie erinnern die in den vergangenen Jahren fertiggestellten und noch geplanten Projekte an die Zeit des Neo-Klassizismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts (ich hoffe den korrekten archidektonischen Begriff gewählt zu haben :) ). Während diesen Dekaden gehörte es zur Aufwertung des Städtebilds, möglichst prunkvolle Bauten zu erstellen.
    Heute scheinen die Multikomplexe und Stadien dem selben grundsätzlichem Zweck zu dienen. Demonstration von Wichtigkeit und anderen Attributen.
    Dabei weiss Jeder, das erst nach Fertigstellung dieser Bauten die Bewährung kommt. Die grossangelegten Bauten müssen gefüllt werden. So wird damit geworben, dass in diesen multikomplexen bauten alles verfügbar sein soll, wanach sich die Bequemlichkeit sehnt. Möglichst wenig Wege in der Freizeit. Wohnen, Dienstleistung, Freizeitaktivitäten in Einem. Diese Konzentration bringt auch Nachteile mit sich. Auf diese hinzuweisen ist durchaus gerechtfertigt.
    Doch die Abwägung der Vor -und Nachteile findet zunehmend nicht mehr aufgrund inhaltlicher Aspekte statt, sondern verkommt zu Macht - und Geltungsquereleien aufgrund der Interessenkonflikten. Und am Schluss zählt nicht mehr das Argument, sondern die Rhetorik.

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