Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Podiumsdiskussion Winkelwiese – viel Grabenkampf, wenig Konstruktives

Podiumsdiskussionen sind ein tief verankerter Teil der Schweizer Politkultur. Ob man früher “anständiger” und respektvoller diskutiert hat, sei mal dahingestellt . Fakt ist, dass für Podiumsdiskussionen eigene Regeln gelten. Umso erstaunlicher, wie unvorbereitet und konzeptlos sich viele Teilnehmer der Diskussion stellen. Bestes Beispiel: die gestrige Podiumsdiskussion zum Baurechtsvertrag Winkelwiese.

Es ist ein bewährtes Mittel, Projekte zu verhindern, indem man die Diskussion auf Grundsatzfragen verlagert. Aktuell am Beispiel der Baurechtsvergabe Winkelwiese zu beobachten. An der gestrigen Podiumsdiskussion wurde vor allem über Zahlen gestritten: sind nun drei bis vier  oder zwei bis vier Geschosse (sic!) erlaubt, sind es nun 940m2 oder gar 1400m2 Wohnfläche und ist das denn moralisch vertretbar oder passt “moderne” Architektur überhaupt in “unsere” Altstadt?

Über Zahlen braucht man nicht zu diskutieren. Massgebend ist wie bei allen Bauten das Planungs- und Baugesetz mit seinen Verordnungen sowie die Bau- und Zonenordnungen der Stadt Zürich. An diese muss sich selbstredend auch das Neubauprojekt an der Winkelwiese halten. Zur Moral kann man eine Meinung haben, auch zur Architektur. Beides sind jedoch Themen, die sich nicht mit einer Abstimmung klären lassen. Trotzdem haben sich der Bauherr als auch der Vertreter der Stadt auf die Zahlen und Moraldiskussion eingelassen, mit dem wenig erstaunlichen Resultat, dass kaum konkrete Ergebnisse herausschauten. Es blieb beim wenig konstruktiven Positionsgerangel.

Die richtigen Fragen stellen, statt nur auf Vorwürfe reagieren

Statt nur auf die Einwände der Projektgegener zu reagieren und sich in diesen, für beide Seiten kaum zu gewinnenden Grabenkampf zu begeben, hätten die Befürworter die Diskussion in eine andere Richtung leiten können. Im Mittelpunkt, stehen nämlich folgende Fragen, über die wir am 28.9. auch befinden können:

  • bin ich damit einverstanden, wenn die Stadt strategisch nicht bedeutende Parzellen zu Marktpreisen im Baurecht abgibt, um mit den erzielten Erträgen andere wichtige Projekte zu finanzieren?
  • gehört die Winkelwiese 10 zu den strategisch wichtigen Parzellen oder kann die Stadt die nächsten 60 Jahre (auf die Zeit ist nämlich das Baurecht beschränkt) auf die (eigene) Bebauung des Grundstückes verzichten und sich zwischenzeitlich anderen, brennenderen Orten widmen?

Diesen Fragen muss sich der Stimmbürger Ende September stellen. Leider gab es zu diesen Punkten am gestrigen Abend wenig konstruktiven Input.

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