Belvedere Zug – Nichtschwimmer im Kommunikationsstrudel
Die Stimmberechtigten der Stadt Zug haben den Bebauungsplan Belvedere deutlich verworfen. Eigentlich erstaunlich. Noch vor wenigen Monaten stand einer geschlossenen bürgerlichen Mehrheit nur ein Grüppchen Gegner rund um die Alternative der Stadt Zug gegenüber. Doch der Zuger Stadtrat lieferte den Projektgegnern eine Steilvorlage nach der anderen. Das deutliche Nein des Zuger Souveräns überrascht deshalb wenig. Erstaunlich war die zurückhaltende Rolle der Bauherrschaft im Abstimmungskampf.
Noch vor gut zwei Wochen meinte der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller, dass sich die Situation mit dem Austritt des Stadtrates aus dem Pro-Komitee nun beruhige. Und jetzt – nach dem deutlichen Nein vom Wochenende – hat er alles so kommen sehen. Das Projekt der privaten Investorengruppe mit zwei Hochhäusern, einem Hotel und Altersresidenzen auf dem ehemaligen Kantonsspitalareal sei schlicht nicht mehrheitsfähig, erklärte Müller in seiner Abstimmungsanalyse gegenüber der Neuen Zuger Zeitung. Auch die Zuger Bauchefin Andrea Sidler Weiss bedauerte den Ausgang der Abstimmung. «Die beiden Hochhäuser sowie die aufkeimende Diskussion um die fehlenden Pflegebetten” hätten den Abstimmungsausgang beeinflusst.
Müdes Lächeln bei den Befürwortern
Die Website der Projektgegner löste bei den Befürwortern zu Beginn des Abstimmungskampfes höchstens ein müdes Lächeln aus. Mit viel Engagement aber auch etwas dilettantisch und mit reichlich dick aufgetragenen internationalen Bildvergleichen verschandelter Strände, wurde für ein Nein zum Bebauungsplan geworben. Aber die Seite blieb kein statisch, ruhig vor sich her treibender Ort im Netz. Im Gegenteil. Laufend wurden Dokumente ergänzt, Argumentarien verbessert, Bilder optimiert. Neue Argumente kamen dazu. Der Verlauf der Diskussion konnte eins zu eins mit verfolgt werden. Ganz anders die Seite des überparteiliches Komitees «Belvedere JA»: Wie eine Broschüre, blieb sie, einmal ins Netz gestellt, unverändert liegen. Erstaunlich ist auch, dass die privaten Investoren abgesehen von einigen Wortmeldungen kaum in Erscheinung traten.
Die Abstimmungsniederlage hat sich der Stadtrat selber zuzuschreiben
Hochhäuser, und dazu noch am See gelegen, sind neben Beton (siehe: “Beton – die pure Emotion”) grundsätzlich eines der stärksten Argumente in den Händen jeglicher Bauprojektgegner in der Schweiz. Darauf haben sich die Stadt und die Investoren kommunikativ vorbereitet – sollte man meinen. Wenig war davon zu sehen. Hochhäuser lösen primär Emotionen aus – alleine sachlich ist diesen Bedenken nicht beizukommen. Bloss, wo war die Strategie der Projektinitianten?
Zum eigentlichen Kommunikations-Desaster entwickelte sich jedoch das Verhalten des Zuger Stadtrates. Mit seinem Beitritt in corpore, Austritt und teilweisem Wiedereintritt (das ist kein Witz) zum überparteilichen Komitee “Belvedere-Ja” (siehe: “Geschickter Schachzug des Zuger Stadtrates?“) verlagerte sich die Diskussion auf einen Nebenschauplatz. Genauso die Diskussion um die fehlenden Pflegebetten. Damit hatte die Abstimmung zum Bebauungsplan nun gar nichts zu tun. Trotzdem gelang es den Befürwortern nicht, die Debatte auf die eigentlichen Themen zurückzuführen. Nicht zuletzt, weil sie nur auf Themen der Gegner reagieren und keine eigenen – auch emotional tragende Geschichten – lancieren konnten. Immer stärker wurde der Nichtschwimmer vom Kommunikationsstrudel erfasst und konnte sich nicht mehr daraus befreien.
Weiterer Bebauungsplan auf dem Tisch
In der Stadt Zug liegt inzwischen ein weiterer Bebauungsplan auf dem Tisch. Entlang der Nordzufahrt soll der Feldpark mit Miet- und Eigentumswohnungen entstehen und aufzeigen, wie Zug weiter wachen kann (vgl. Neue Zuger Zeitung). Ende Oktober wird sich der Grosse Gemeinderat zum ersten Mal mit dem Bebauungsplan befassen. Die Bauherrschaft plant, dass bereits im Frühling – noch vor der definitiven Genehmigung des Plans durch den Regierungsrat – das Baugesuch eingereicht wird. Wir bleiben dran.
4 Kommentare
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Grüezi
Ich wurde auf Ihre Site aufmerksam gemacht. Begreife “zwar” nicht ganz, was diese Site ist, aber das Thema hat mich natürlich interessiert.
Auch wir führen am Zürcher Obersee einen Kampf dieser Art. Er ist dokumentiert auf http://www.zukunft-schmerikon.ch.
Ab Donnerstag sind die neuen Artikel dieser Woche drauf – die sind dann sehr interessant und zeigen die Vertstickung Kantonales Bauamt und Buaherrschaft auf. Beste Grüsse, Bruno Hug
Guten Tag Herr Hug
Besten Dank für Ihren Beitrag in meinem Blog.
Kurz zum Verständnis: Ich befasse mich beruflich mit der Öffentlichkeitsarbeit rund um Bauprojekte. (Beratung von öffentlichen und privaten Bauherren im Kommunikationsprozess).
Auf meinem Blog beobachte und kommentiere ich aktuelle Projekte aus Sicht der Kommunikation – als Fingerübung sozusagen.
Es sind jedoch keine Projekte, die ich selber betreue.
Gerne informiere ich mich auch über das Projekt in Schmerikon. Mich interessiert dabei jedoch vor allem, wie Bauherr und Projektgegner kommunizieren – und welche Strategien schlussendlich erfolgreich sind.
Mit freundlichen Grüssen
Herbert Imbach