Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Einkaufszentrum EbiSquare – im Dilemma.

ebisquare-volki

Projektvisualisierung EbiSquare (Völki Partner Architekten AG)

Das Projekt Ebisquare hat bisher alle Hürden genommen. Der Gemeinderat und die Bevölkerung stehen  hinter dem Projekt. Trotz Vorbehalten wegen des befürchteten Mehrverkehrs hiessen die Stimmberechtigten das Projekt in einer Abstimmung im 2005 mit 55% gut. Im gleichen Jahr stimmten die kantonalen Stimmberechtigten dem Bau eines neuen Autobahnzubringers zu, der eine Voraussetzung für EbiSquare ist. Selbst von Umwelt und Verkehrsverbänden, war wenig Kritik zu vernehmen. Seit das Magazin des Zürcher Tagesanzeigers am letzten Freitag aber einen Artikel zum Projekt veröffentlichte (“Schindlers List”) brodelt es in der Luzerner Vorortgemeinde.

Erste Dellen erhielt das Projekt bereits diesen Herbst: Wunderwelt gescheitert fasste Hochparterre die Meldung des Tagesanzeigers und der Sonntagszeitung zum geänderten Konzept der neuen Investoren zusammen. So heisst es auf der Homepage von Ebisquare: “EbiSquare ist eine Welt der Wunder, des Staunens, des Wohlfühlens, des Verweilens. Ein Ort, wo man vom Alltag ausspannt und sich immer wieder ein paar Stunden unbeschwerte Freizeit gönnt“. Aber im roten Balken daneben steht jetzt: “Stand Konzept Sommer 2008 – wird vom neuen Investor überarbeitet.” Obwohl die Lokalzeitung “Rontaler” von einer “Neidattacke gegen Ebisquare” sprach, wurde die Konzeptänderung von fast allen anderen lokalen aber auch überregionalen Medien mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen.

Letzte Woche nun der Artikel im Tagesanzeiger Magazin, der hinter den Initianten Arglist vermutet. Prompt reagiert der angegriffene Projektleiter heftig und wirft in  einem Kommentar zum Artikel dem Tamedia-Haus Rufschädigung und Schmierenkomödie vor. Ein Projekt, das bis anhin nicht problemlos, aber doch in relativ ruhigen Gewässern unterwegs war, wirft nun auf einmal grosse Wellen. Weshalb?

Im Dilemma zwischen Planung, Marketing und effektivem Projektstand

Projekte dieser Grössenordnung haben oft ein Problem: Sie beginnen auf der grünen Wiese. Von den Möglichkeiten und vom Potenzial das Projektentwickler oder Investoren in dem Gelände erkennen, ist noch nichts zu sehen. Also macht man Pläne und Zeichnungen, die heute so realistisch und “fertig” daher kommen, dass jeder Normalbürger meint, schon morgen könnten die Bagger auffahren. Das hat zwar den Vorteil, dass sich Abstimmungen leichter gewinnen und sich Mieter oder Investoren besser finden und begeistern lassen.

Umso grösser ist jedoch die Enttäuschung, wenn sich die hochfliegenden (“Marketing”-) Ideen, mit der Zeit der Realität nähern. Nicht selten bleibt nur noch ein schales Gefühl der Täuschung zurück. Und Vertrauen, das damit verloren geht. Enttäuschung und Vertrauensverlust -  beides bildet den idealen Nährboden sowohl für medialen Enthüllungsjournalismus als auch zur politischen Profilierung. Der “getäuschte Bürger oder Konsument” ist ein bekanntes journalistisches Erfolgsrezept. Insgeheim sind viele Journalisten auf der Jagd nach der eigentlichen “wahren Geschichte” hinter der offiziellen. Damit diese Geschichten funktionieren, benötigen sie ein einfaches schwarz/weiss-Schema: Die “Guten” und die “Bösen”. Ganze Medienformate bauen auf diesen Geschichten auf (z.B. “Kassensturz”). Aber auch Politikern bietet diese Ausgangslage Gelegenheit, sich auf die Seite des “getäuschten Bürgers” zu schlagen und sich und die eigene Politik damit hervorzuheben.

Was in der (Vor-) Projekt-Phase – insbesondere dem Stimmbürger – verkauft wird, ist deshalb eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Schnelle Gewinne zu Beginn, können sich im Nachhinein auch als Bumerang erweisen.

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