Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Messeneubau Basel - Wie hoch ist der politische Preis?

Messeneubau Basel

Messeneubau Basel

Ursprünglich war in Basel die Rede von 300 Millionen Franken Projektkosten. Vom Stimmvolk abgesegnet wurden 350 Millionen. Inzwischen liegen die Offerten der Generalunternehmer vor. Sie liegen gemäss Recherchen der Basler Zeitung zwischen 480 und 630 Millionen Franken. Nun hat die Messe Schweiz erhebliche Projektoptimierungen angekündigt, um das Budget einzuhalten. Kriegen die Basler noch das, worüber sie abgestimmt haben?

Die vorliegenden Offerten der Generalunternehmer für den Messeneubau Basel liegen in der Grössenordnung des Olympiastadions in Peking, möglicherweise aber auch deutlich darüber. Die Messe Schweiz reduziert deshalb das Projekt erheblich,  ohne dabei das architektonische Konzept zu gefährden, wie betont wird.

Haben Architekten die Kosten nicht im Griff?
Der britische Architekt und Wettbewerbsgewinner der Zürcher Kunsthauserweiterung, David Chipperfield, äusserte sich dazu in einem Interview: “Wenn Sie bereit wären, zu mir zu kommen und zu sagen, ich will ein Haus, und ich bezahle Sie zwei Mal, zuerst um einen Prototyp zu machen, und dann komme ich in fünf Jahren zurück und bitte Sie noch mal, das zu bauen und erwarte dann, dass Sie wissen, was es kosten wird und wie lange es dauern wird, und dann erwarte ich, dass es perfekt ist, dann könnte ich es machen. Aber jedes Mal, wenn man baut, ist es ein Prototyp. Jedes Mal, wenn man eine Grube aushebt, gräbt man im Matsch. Man gräbt im Unbekannten.”

Viele gehen deshalb auch in Basel von massiven Mehrkosten aus, trotz anderen offiziellen Verlautbarungen.  Die Ausgangsberechnungen für ein solches Grossprojekt seien «immer auch ein politischer Preis», sagte Benedikt Loderer vor einiger Zeit in der Basler Zeitung. Eigentlich lege die Politik fest, wie viel ein Projekt kosten dürfe. Und auf der ganzen Welt gehe man davon aus, dass die zusätzlichen Kosten dann schon geschluckt würden. Und eigentlich, findet Loderer, sei das auch gut so. Denn, wenn man von Anfang an mit den wirklich Kosten ins Rennen steigen müsste, wären viele Projekte, auf die hinterher alle stolz seien, nie zustande gekommen.

Der politische Preis von Grossprojekten
Die Frage ist, wie weit sich dieser Bogen spannen lässt. Die Glaubwürdigkeit der Bauherrschaft und der Politik bei der Bevölkerung ist auf jeden Fall angeschlagen. Im Fall der massiven Mehrkosten für das Zürcher Justiz und Polizeizentrum sprechen nicht wenige Stimmen von Irreführung des Stimmbürgers. Eine erneute Abstimmung zum Baukredit ist wahrscheinlich - mit ungewissem Ausgang.

Qualität in der Architektur hat ihren Preis. Meiner Meinung nach, wird dieser Preis von der Bevölkerung nur bezahlt,  wenn sie von Anfang an offen und ehrlich informiert wird.


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