Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Stadtplanung - Ein Plädoyer für Entschleunigung und Gelassenheit

beton-grasNirgends sei Planung so sinnlos wie in der Bebauung unserer Städte, schrieb Robert Kaltbrunner in der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Freitag. Eine Mehrzahl der Stadtbevölkerung empfindet das Verschwinden einer bestimmten Strasse, eines bestimmten Gebäudes, eines Hauses sehr viel stärker als die schwerwiegendsten nationalen, religiösen, politischen Ereignisse. Grossprojekte bedeuten somit immer auch eine Grenzerfahrung, stellt doch die Stadt, wie wir sie kennen, eine Ansammlung von Räumen dar, in denen Geschichte und Geschichten eingelagert sind.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist «Effizienz» ein gesellschaftlicher Schlüsselbegriff, ihr Gradmesser ist die Uhr . Eine möglichst schnelle Raumüberwindung durch beschleunigte Transportmittel gilt nach wie vor als die Leitlinie moderner Verkehrspolitik; eine aus dem Funktionalismus abgeleitete Analyse- und Planungstechnik ist noch immer vorherrschend. Dem Prinzip der Beschleunigung wohnt indes ein Problem inne. Denn die durch Motorisierung und Ausbau der Strassennetze erhöhte individuelle Beweglichkeit hat,  kaum zur Einsparung von Reisezeit geführt, sondern lediglich zur Ausdehnung der Entfernungen zwischen den verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens.

Städte gehören zu den beständigsten gesellschaftlichen Strukturen überhaupt.

Stadtplanung strebt immer (noch) danach, prognostizierte Entwicklungen mit neuen, möglichst weitsichtig angelegten Projekten gleichsam «vorzubauen. Eher aber, so Kaltbrunner, müsste man endlich anerkennen, dass Stadtveränderung mühevolle Detailarbeit ist: ein sanftes Steuern von Prozessen, die am besten gleichsam von selbst laufen. Gerade die Koppelung von stabilen und instabilen Prozessen macht Städte einerseits zu höchst dauerhaften und andererseits zu brodelnd lebendigen Gebilden. Ihre Dauerhaftigkeit ist aber unlösbar verbunden mit ständiger Veränderung und Entwicklung. Denn je umfassender die Planung, je konsequenter die Utopie, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ungeplante durchsetzt - am Ende, so lässt sich prophezeien, dringt immer das Gras durch die Ritzen des Betons.

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