Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Stadt Zürich – Die nächste Rautistrasse kommt bestimmt

Ersatzneubau Wohnsiedlung Rautistrasse; Projekt SUR der Architektengemeinschaft UNDEND

Ersatzneubau Siedlung Rautistrasse; Projekt SUR Architektengemeinschaft UNDEND

Diesen Frühling wollte die Stadt in Altstetten mit dem Bau einer Siedlung mit 105 Wohnungen beginnen. Die Anwohner rekurrieren, weil die Blöcke mit 25 m aus ihrer Sicht zu hoch werden und gehen vor Bundesgericht. Urs Spinner vom Hochbaudepartement ärgert sich über diese Verhinderungstaktik.  Es sieht jedoch so aus, wie wenn sich die Stadt noch einige Male ärgern muss. Zwar fordern alle, die Stadt soll bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen, dazu braucht es aber dichtere Überbauungen. Und dagegen wehren sich wiederum die Bewohner der Quartiere.

Corinne Mauch und Kathrine Martelli fordern beide vermehrt günstigen Wohnraum in der Stadt Zürich. Keine macht sich aber stark für grössere und höhere Häuser und mehr Dichte in der Stadt. Das wäre zwar konsequent, weil nur so günstiger Wohnraum geschaffen werden kann, würde sie aber einige Wählerstimmen kosten.

Im Zentrum verdichten, statt an den Rändern

“Höher und dichter” wird von einem Grossteil der Bevölkerung mit Verlust an Lebensqualität gleichgesetzt. Die neuen Arealüberbauungen in Zürich Affoltern zum Beispiel scheinen ihnen – mindestens teilweise – Recht zu geben. So lange sich dieses negative Bild der “dichten” Stadt hält, werden wird sich die Geschichte bei jedem neuen Projekt widerholen. Wie lässt sich die Bevölkerung vom Gegenteil überzeugen? Notabene eine Bevölkerung, die zu grossen Teilen noch immer den Traum vom eigenen “Haus mit Garten” träumt.

Das Problem: Mit Ausnahme der ehemaligen Industrieareale wird in Zürich vor allem in den eher unattraktiven Randgebieten verdichtet gebaut. Hier hat es die Stadt viel schwieriger, Fuss zu fassen und zum attraktiven Lebensraum zu werden. Die Stadt muss dort dichter werden, wo sie bereits attraktiv ist – im Zentrum.

Wer kann ein neues Bild der Stadt vermitteln?

Das Wohnen in der Stadt erlebt zur Zeit eine Renaissance. Nach Jahren der Stadtflucht sind Grundstücke und Wohnungen in den Innenstädten wieder sehr gefragt.  Die Voraussetzungen sind also gut, um das Bild der Stadt und vom “idealen Wohnen” zu verändern.

Dichte darf dabei nicht mehr bloss als “notwendiges Übel” verteidigt werden, um günstige Wohnungen zu bauen. Dichte ist eine Voraussetzung für eine attraktive Stadt. Aber der Begriff der dichten Stadt definiert sich nicht allein durch die numerische Bevölkerungsdichte, sondern bezieht eine Reihe kultureller Aspekte mit ein, die bei den jeweiligen Planungen eine Rolle spielen müssen:

  • Mischung von Funktionen
  • Soziale Integration
  • Gebäudedichte
  • Öffentliche Plätze
  • Architektonisch definierte Räume
  • Architektur mit urbanem Charakter
  • Beachtung typologischer und regionaler Traditionen
  • Kulturelle Auffassung von Stadt

Diese Durchmischung ist nur in den Zentren zu erreichen. In der Forderung der beiden Kandidatinnen Stadpräsidums fehlt mir dieses Anliegen. Mehr und günstiger Wohnraum alleine schafft noch keine “Stadt-Qualitäten”. Erfolgreiche Projekte könnten zum Umdenken anregen. Und damit meine ich keine Projekte in Altstetten, Affoltern oder Seebach, sondern im Stadtzentrum. Welcher künftigen Stadtpräsidentin trauen Sie solche Projekte zu?

Martelli oder Mauch – Last Minute Wahlempfehlung

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