Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Podiumsdiskussion - Wahlkampf statt Städtebau

Urs Schlegel, Hans Werder, Richard Wolff, Corine Mauch und Josef Lang gestern Abend auf dem Podium (Bild Hochparterre)

Urs Schlegel, Hans Werder, Richard Wolff, Corine Mauch und Josef Lang gestern Abend auf dem Podium (Bild Hochparterre)

Die Zürcher Stadtpräsidentin kritisiert die Investitionspolitik der SBB und befürchtet problematische Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. An der gestrigen Podiumsdiskussion des Zürcher Mieterinnen- und Mieterverbands und der Zeitschrift Hochparterre, blieben die Gegenentwürfe jedoch vage. Oder ging es etwa gar nicht um Städtebau?

Die letzten grossen Industrieflächen in der Stadt Zürich sind inzwischen umgezont und in die Stadt integriert worden. Der Druck auf die Stadt hält jedoch ungebrochen an. Arbeiten und Wohnen in der Stadt sind gefragt, zudem ökologisch sinnvoll. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach zusätzlichen Entwicklungsflächen.  Im Rahmen ihrer Portfoliobereinigung haben die Schweizerischen Bundesbahnen Objekte vom Bahnbetrieb ausgeschieden und für neue Nutzungen freigegeben. Seit einigen Jahren stehen diese äusserst attraktiven, weil zentrumsnahen Flächen  im Mittelpunkt der Interessen.

So entsteht unter anderem im Zentrum von Zürich ein neues Quartier: die Europaallee. Seit 2003 arbeiten die SBB, die Stadt Zürich und die Post an der städtebaulichen Entwicklung des Areals. Die Zwischenergebnisse des gemeinsamen Planungsprozesses wurden im März 2004 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das überarbeitete Konzept ist Grundlage für den privaten Gestaltungsplan der Grundeigentümerin SBB. Der Gemeinderat hat dem Gestaltungsplan im Januar 2006 ohne Gegenstimme zugestimmt.  Mit über 65% Ja-Stimmen wurde er auch von den Stimmbürgern in allen Stadtzürcher Kreisen angenommen.

Konkrete städtebauliche Vorstellungen der Stadt?
In der Zwischenzeit muss sich die Situation jedoch dramatisch verschlechtert haben. Glaubt man zumindest Corine Mauch, Zürcher Stadtpräsidentin,  die an der gestrigen Podiumsdiskussion gar von problematischen Auswirkungen der SBB-Immobilienpolitik auf die Entwicklung der Stadt Zürich sprach.  Die SBB verfolge zu einseitig Renditeüberlegungen und schenke der Stadtentwicklung zuwenig Sorgfalt.  Im selben Votum, musste die Stadtpräsidentin jedoch zugestehen, dass die Verantwortung für gute Stadtplanung bei den Städten liege. Was das konkret heisst, konnte Mauch jedoch nur vage beantworten. So sollen “Eckwerte für eine qualitative hochstehende Entwicklung” im Leistungsauftrag der SBB aufgenommen werden.  Durchmischung ist eine dieser Qualitäten -  Mauch möchte diese mittels Unterstützung des gemeinnützigen Wohnungsbaus fördern. Auch Gewerbebetrieben mit geringerer Wertschöpfung sollen von davon profitieren. Die Europaallee kann sie mit ihrer Kritik nicht gemeint haben. Oder doch? Dann wäre auch der gemeinsam erarbeitete Gestaltungsplan nichts wert. Ich bin überzeugt, dass die Stadt das nicht so beurteilt.

Vielmehr muss man die gestrigen Voten der Stadtpräsidentin im Rahmen des bevorstehenden Wahlkampfes verstehen. Wohnungspolitik ist ein Wahlkampfthema. Entsprechend waren die Forderungen. Mit städtebaulichem Engagement hat das wenig zu tun, ansonsten müssten die Vorstellungen konkreter ausfallen.

Fakt ist, dass an der Europaallee ein urbaner Stadtteil entsteht, der Zürich weiter baut und das Gebiet rund um den Bahnhof mit einer sorgfältig gemischten Nutzung attraktiver macht. Fakt ist auch, dass die erzielten Immobiliengewinne unter anderem dazu dienen, die dringend benötigte Erhalt der Bahninfrastruktur zu finanzieren.

Eine Nachlese im Hochparterre-Blog

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