Verkehrswege machen Raumplanung
Was passiert, wenn man neun Experten einlädt, Visionen zu entwickeln zur Mobilität in der Schweiz im Jahr 2030? Der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) hat eine solche Plattform geboten (Bericht als pdf-Datei). Der Bericht liefert einen interessanten Diskussionsbeitrag zur Debatte über den Ausbau des Schweizer ÖV-Netzes in den nächsten Jahrzehnten. Interessant sind insbesondere die Überlegungen zur Raumplanung.
- S-Bahn-Netze sind im Trend. Viele Zentren in der Schweiz argumentieren im Wettbewerb um die Standortgunst inzwischen mit gut ausgebauten Verkehrsnetzen, welche die Städte mit dem Umland verbinden. Doch wer Schienen sät, wird Einfamilienhaus-Siedlungen ernten. Die Wechselwirkung von neuen ÖV-Strecken und dem Bau neuer Siedlungen ist heute unter Experten nicht mehr bestritten.
- Dabei profitieren viele Agglomerationsgemeinden von leistungsfähigen ÖV-Netzen. Sie locken mit vergleichsweise tiefen Steuern neue Einwohner an, die dann dank guten Verkehrsanbindungen in die Städte pendeln.
- Die Zersiedelung ist auch eine Folge der Tatsache, dass sich das Pendeln für viele auszahlt. ETH-Professor Ulrich Weidmann stellt dies in seinem Artikel folgendermassen dar: «Pendeln lohnt sich, weil man auf dem Land günstiger wohnt und weniger Steuern bezahlt, in der Stadt mit attraktiveren Jobs mehr verdient und erst noch die Pendlerkosten von den Steuern abziehen kann».
- Um eine weitere Zersiedlung zu verhindern, braucht es aber auch bezahlbaren und lebenswerten Wohnraum in den Städten. Zudem können mit dezentralen Arbeitsplätzen und vermehrter Heimarbeit (Telearbeit) Pendlerspitzen gebrochen werden.


