Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

Die neue Stadt kommt nach Zürich – auch in den Escherpark

Neubau Siedlung Escherpark: Die Angst vor der kommenden Stadt

Neubau Siedlung Escherpark: Die Angst vor der kommenden Stadt

Die städtische Wohnbevölkerung wird gemäss neusten Prognoserechnungen von Statistik Stadt Zürich als Folge der regen Bautätigkeit auch in den nächsten 10 Jahren kräftig wachsen. Bisher wurde vor allem an den Rändern und in Zürich West gebaut.  Verdichtung wird aber auch in der Innenstadt zum Thema. Nicht ohne Widerstand. Weil Zürich immer noch unnötige Angst hat vor der Stadt.

Kolumne: Endlich aufhören von Dichte zu reden

Heute wohnen in Zürich über 380 000 Menschen. In nur zehn Jahren sollen gemäss neusten Prognoserechnungen von Statistik Stadt Zürich etwa 30 000 dazukommen. Das entspricht fast der Bevölkerung der Stadt Uster. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt, so zeigt er doch die Dimensionen des rasanten Zürcher Wachstums. Um den Druck vom bestehenden Wohnraum zu nehmen, muss massiv gebaut und aufgestockt werden. Innerhalb der Stadt werden besonders jene Gebiete zulegen, die noch Raum für Entwicklung haben: Escher Wyss wird doppelt so viele Einwohner haben wie heute. Auch an den Rändern, zum Beispiel in Affoltern oder Seebach, wird Zürich weiter wachsen und Richtung Innenstadt werden Wollishofen und Albisrieden zulegen. Das aktuelle Beispiel Escherpark aber auch bereits weiter voran geschrittene Projekte wie die Rautistrasse in Altstetten oder der Ringling in Höngg zeigen, auf wie viel Widerstand konkrete Projekte in den bestehenden Quartieren stossen.

Beziehungsängste mit der Stadt
Höher und dichter wird von einem Grossteil der Bevölkerung immer noch mit Verlust an Lebensqualität gleichgesetzt.  “Stadt ja – aber nicht vor meiner Tür”, lautet die Devise. Richtig auf die Stadt einlassen wollen sich die wenigsten. Am liebsten würde man auch in der Stadt noch in einem alten Bauernhaus wohnen. Psychologen würden wohl von Beziehungsängsten reden. Am bisherigen, vermeintlich bekannten festhalten, weil man noch nicht weiss, was das Neue bringt. Bloss, das Neue wird Realität – auch wenn wir uns noch so stark wehren.

Das Wohnen in der Stadt erlebt zur Zeit eine Renaissance. Die Beweggründe für diesen Rückzug in die Stadt sind neben den Vorzügen der kulturellen Vielfalt vor allem ökonomischer Natur. Die Voraussetzungen sind also gut, um das Bild der Stadt und vom “idealen Wohnen” zu verändern. Die Stadt braucht neuen Wohnraum und zwar nicht nur in Zürich West und an den Rändern – auch die attraktiven Innenstadtkreise haben Nachholbedarf. Hier, wo die Grundstückpreise und Mieten bereits heute hoch sind, bietet sich Gelegenheit zusätzlichen gehobenen Wohnraum anzubieten – das mindert auch den (Preis-) Druck auf die anderen Gebiete. Und nochmals: gehobener Wohnraum in der Stadt heisst nicht Villenquartier, sondern es ist zum Beispiel die grosszügig geschnittenen Wohnung in der 7. Etage am Tessinerplatz mit Blick über die Stadt in die Berge.

Dichte ist mehr als “notwendiges Übel”
In vielen Berichten zur Stadtentwicklung, wird Verdichtung meistens als “notwendiges Übel” verteidigt. Selten liest man, dass Dichte eine Hauptvoraussetzung für eine attraktive Stadt ist. Aber der Begriff der dichten Stadt definiert sich nicht allein durch die Bevölkerungszahl, sondern bezieht eine Reihe kultureller Aspekte mit ein, die bei den jeweiligen Planungen eine Rolle spielen müssen:

  • Mischung von Funktionen
  • Soziale Integration
  • Gebäudedichte
  • Öffentliche Plätze
  • Architektonisch definierte Räume
  • Architektur mit urbanem Charakter
  • Beachtung typologischer und regionaler Traditionen
  • Kulturelle Auffassung von Stadt

Bestimmend dafür, wie lebenswert ein Quartier ist, ist die Freiraumqualität. Fraglich ist allerdings, wie stark die Entwicklung alleine dem Markt überlassen werden kann. Alleine mit Ausnutzungsziffern, Gebäudehöhen und Grenzabständen können die quartierspezifischen Qualitäten und damit die Identität des Quartiers nicht erhalten bleiben. Und auch die Summe von gelungenen architektonischen Einzellösungen ergibt noch lange keine stimmige städtebauliche Entwicklung.

Stadtentwicklung ist nichts neues
Die Identität einer Stadt lässt sich nicht durch den blossen Erhalt von Häusern sichern. Genau so wie man seine eigene Identität nicht mit dem Festhalten am jugendlichen Körpers behält.  Heute wehren wir uns zum Beispiel für den Erhalt der städtischen Seefront  entlang des General Guisan Quais. Wir vergessen dabei, dass auch dieser Stadtteil Ergebnis eines mutigen städtebaulichen Entscheides war. Von 1882 bis 1887 wurden unter der Leitung des damaligen Stadtingenieurs Arnold Bürkli entlang dem Seeufer Land aufgeschüttet und eine durchgehende Uferpromenade mit Alleen, Wiesen und Parks eingerichtet. Bürkli hat das Zürcher Seeufer den aktuellen Bedürfnissen nach Hygiene, Verkehrserschliessung und Platzbedarf angepasst und komplett neu gestaltet. Dahinter entstand auf dem Gebiet der Weinbaugemeinde Enge ein komplett neuer Stadtteil.

Solche Projekte sind geprägt von einem mutigen, weitsichtigen Handeln und haben neben vielem anderen der Stadt die Lebensqualität gebracht, für die sie heute bekannt ist. Die Zeit steht bekanntlich nicht still, heute steht Zürich vor neuen Herausforderungen – Zürich ist nicht gebaut. Die nächsten Schritte müssen von Persönlichkeiten, wie einem Stadtbaumeister Arnold Bürkli vertreten werden, die die Stadt weiter entwickeln wollen. Gefragt ist eine starke zukunftsgerichtete Haltung. Grabenkämpfe um  günstigen Wohnraum alleine bringen die Stadt nicht weiter. Genau so wenig,wie die gängige Einsprachepolitik gegen Projekte vor der eigenen Haustür.

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