“Schade, dass jetzt schon vorbei ist…” – Schade für die verpasste Chance, Herr Stadtbaumeister.
Zürich sagt Ja zum Landesmuseum. Die Standortgemeinde hat sich klar für die Erweiterung ausgesprochen. Die Argumente der Gegner “Zerstörung des Parks” haben insbesondere in den benachbarten Kreisen nicht verfangen. Der Abstimmungserfolg war jedoch alles andere als sicher und es lohnt sich nochmals einen Blick zurück auf einzelne Punkte aus dem Abstimmungskampf. Interessant war, dass sich die Stadt sehr zurückhaltend am Abstimmungskampf beteiligt hat. Und wenn, vermisste man ein klares Konzept. Beispiel dazu ist der Auftritt von Patrick Gmür, Direktor Amt für Städtebau, in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens.
Hans Rutishauser vom gegnerischen Komitee “Standpunkt Landesmuseum” und Patrick Gmür, Direktor Amt für Städtebau, kreuzten in der Sendung Kulturplatz auf SF 1 die Klingen zum Neubau Landesmuseum. Dass drei Minuten Redezeit knapp sind, um gute und verständliche Botschaften zu kommunizieren, musste insbesondere der Zürcher Stadtbaumeister feststellen.
Eine Podiumsdiskussion im Fernsehen hat Tempo – da bleibt keine Zeit für komplexe Argumente – es sei denn, man bringt diese einfach rüber. Patrick Gmür hatte eine ganze Reihe von Argumenten. Viel zu viele. Und viele davon waren auch kaum verständlich (wie genau ist das nun mit den dienenden Räumen und der Haustechnik im Alt- oder Neubau…?). Viele Pro-Argumente kamen von der Moderatorin, Gmür konnte diese nur noch bestätigen.
Da machte es Hans Rutishauser schlauer. Ganz einfache Botschaften (“das Herz des geschützten Parks darf nicht geopfert werden“; “Neubau ja, aber an einem besseren Ort“). Solche Botschaften kann man in drei Minuten verständlich kommunizieren, notabene vor einem Laienpublikum.
Zahlen gegen Emotionen – damit gewinnt man keine Abstimmung
“Wenn man künftig durch die Fenster schaut, wird man nur noch den Neubau sehen und nicht mehr den Park” – auf dieses emotionale Bild der Neubaugegner versuchte Gmür mit Zahlen zu kontern : “Der effektive Verlust vom Park ist 3.6% und wenn man noch die Brücke nimmt, die quasi überdeckt ist, aber ja frei bleibt, sind es irgendwie 5.6%“. Selbst wenn das jemand verstehen würde, die Herzen der Zürcher gewinnt man mit dieser Argumentation nicht.
Rutishauser vergleicht das Landesmuseum mit Versailles und Schönbrunn - und merkt selber, dass er sich hier im Massstab vergriffen hat. Ab auch Gmür fällt spontan kein treffendes Bild ein. Was Corbusier damals machte, weiss ein Laie nicht, und der Vergleich vom “Perserteppich im modernen Haus”…ich weiss nicht. Ich weiss nur, dass mir selber in einer solchen Situation spontan auch nicht die passenden Ideen kämen. Deshalb muss man sich vorher Gedanken machen, was man in den kurzen drei Minuten sagen will – und wie man faszinierende Bilder in die Köpfe der Zuschauer zaubern kann. So viele Chancen, insbesondere vor einem grösseren Publikum, hat man nicht. Und dann ist es einfach “schade, dass jetzt schon vorbei ist“, das letzte Zitat von Gmür aus dem Fernsehbeitrag.




Wie recht der Blogger hat… es ist nicht einfach. Besonders nicht, wenn es sich um ein Projekt handelt, welches eben nicht ganz zu überzeugen mag.
Aus einem schlechten Geist geboren – anfänglich hätte man am Liebsten das ganze Landesmuseum abgerissen – entschied man sich schon früh für einen Neubau in der Mitte des Parks, ohne Rücksicht auf das Ensemble und unter Inkaufnahme des Verlustes des Herzens des Parks. Durch den Neubau würde die Sicht auf das schlossähnliche Landesmuseum zerstört.
Man stelle sich vor – 1995 noch hat die Stadt eine aufwendige Broschüre drucken lassen, in der erläutert wird, wie einmalig und schützenswert der Platzspitz ist. Und heute soll genau das Zentrum dieses Parks geopfert werden?
Dabei hätten andere eingereichte Projekte an anderen Stellen Anbauten vorgeschlagen, unter Respektierung des Ensembles. Und heute bestünde die Möglichkeit, z.B. auf dem wirklich nahen Carparkplatz zu bauen.
Und was kommt in den Neubau? Nur rund ein Drittel sind wirklich museumsbedingte Flächen, der Rest sind die Cafeteria, Garderoben, die Bibliothek, Versammlungszimmer, die Haustechnik… Machen wir uns nicht vor – am Liebsten möchte man jetzt das Projekt fertigstellen, einfach weil es schon so lange gedauert hat. Dazu kommt Geld von Bern – und wie bei Dürrenmatts “Besuch der alten Dame” schaut man dann nicht mehr so genau, was für Folgen ein solcher Entscheid hat.
Das Komitee Standpunkt Landesmuseum und das Referendumskomitte gegen die Zerstörung des Parks beim Landesmuseum freuen sich auf jeden Fall darüber, dass die SVP der Stadt Zürich am Donnerstag Abend, 20. Mai 2010, die Nein-Parole gefassst hat und dass die GLP der Stadt Zürich zu Beginn der gleichen Woche zu diesem Traktandum die Stimmfreigabe beschlossen hat.
Zusammen mit den Grünen der Stadt Zürich, welche eben falls die Nein-Parole beschlossen hat, zeigt dies, dass diese Stadtzürcher Parteien – nach ausgewogenen, kontradiktorischen Diskussionen – zum Schluss gekommen sind, dass der geplante Neubau ein schlechter Bau am falschen Ort ist.
@Christian Martin Gutekunst:
Schön, dass Sie mir Recht geben. Ja, schlau sind sie wirklich, die Verhinderer vom Komitee “Standpunkt Landesmuseum”. Mindestens so schlau, dass sie genau wissen, wie man Stimmen fängt. Zwar resultiert daraus keine bessere Lösung, aber sie haben einmal mehr ihren Gegner besiegt. Die Taktik:
- Schön einfach bleiben – auch wenn man dazu das Landesmuseum mit Schloss Schönbrunn oder Versailles vergleichen muss; die kennt wenigstens jeder.
- Ein bisschen gegen die Regierung in Bern und Zürich schimpfen; kommt auch immer gut.
- Nicht dagegen sein, aber natürlich müsste man es anders und viel besser machen; wen interessiert jetzt schon wie genau, Hauptsache man hat “die da” wieder mal gebodigt.
- von “zerstören” und “opfern” sprechen; das spricht die Ur-Instinkte an; wer lässt sich schon gern “sein” Landesmuseum und “seinen” geschützten Park kaputt machen.
Nein, nein, Herr Gutekunst, das machen Sie schon richtig. Und alle, die an Ihre Argumente glauben, werden weder Herr Gmür noch ich vom Gegenteil überzeugen können. Die Meutererei der Besitzstandswahrer ist nun mal im Gang – und da passt die Verteidigung des Landesmuseums ganz gut ins Beuteschema.
Verpasst hat Herr Gmür lediglich zu zeigen, dass beim Landesmuseum, im Platzspitzpark an einem anderen Zürich weiter gebaut wird. Dass hier eine spielerische, entspannte Stimmung herrscht, die auch Denkmäler richtig einzuordnen versteht. Eine Architektur , die den “partnerschaftlichen Bodycheck” wagt, wie es der ehemalige ETH Professor für Denkmalpflege, Georg Mörsch, so schön beschreibt. Eine Architektur, die “den Dialog pflegt, und zeigt, dass man mit dem Denkmal kreativ etwas anfangen kann und ihm auch eine Erhaltungschance gibt.” Dieses unverkrampfte Zürich findet eine Mehrheit, davon bin ich überzeugt. Und die müssen wir gewinnen – aber nicht mit Haustechnik, Zahlen und Prozenten, Herr Gmür