Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte

“Heinrich Böll der Deutschen Architektur”

Olympia Stadion München 1972

Olympia Stadion München 1972

Leicht, heiter, ungezwungen, frei – es sind immer besonders emotionale Töne, die bei der Beschreibung der Architektur Günter Behnischs angeschlagen werden. Solche Attribute sind verdiente Komplimente für unzählige Bauten, die tatsächlich nie jemanden abgeschreckt, eingeschüchtert oder womöglich eingeengt haben. Orte zum Durchatmen, einladende Räume, offene Häuser hat Günter Behnisch geschaffen. Wie kaum ein anderer Architekt der Nachkriegszeit hat er mit seine Bauten die öffentliche Meinungsbildung in Deutschland und das Bild von Deutschland im Ausland geprägt. Am Montag ist Günter Behnisch im Alter von 88 Jahren gestorben.

Dass transparente Glasfassaden etwas mit “demokratischem Bauen” zu tun haben, ist wohl die einfältigste Verkürzung, die es im Zusammenhang mit Behnischs Werk zu verzeichnen gibt. Zu Recht wird Behnisch in Deutschland immer als “Baumeister der Demokratie” gelten. Aber nicht etwa, weil man in seinen 1992 fertiggestellten und leider viel zu kurz als solchen genutzten Plenarbereich des Bundestags in Bonn von aussen hineinschauen konnte. So schlicht war seine Botschaft nicht. Sein Verständnis vom angemessenen Bauen in der Demokratie formulierte der Architekt anders und durchaus komplexer. Ihm ging es um eine Architektur, die, wie er sagte, nicht unbedingt recht haben will, darum, dass Bauten eine offene, humane Gesellschaft und einen Staat repräsentieren, der sich nicht selbst überhöht. Behnischs Bauten kommen  trotz ihrer repräsentativen Bedeutung allesamt ohne jegliche autoritäre Geste aus.

Vielzitiertes Symbol der Demokratie

Sein wohl bekanntestes Werk, das Münchner Olympiastadion von 1972, gilt als eine Architekturikone Deutschlands. Mit den lose in die Landschaft gesetzten Anlagen und der zeltartigen Überdachung des Stadions, seiner Leichtigkeit und Transparenz, stellt das Stadion nicht nur ein vielzitiertes Symbol der (neuen) Demokratie Deutschlands dar, sondern auch eine Antithese zum Olympiastadion in Berlin, in dem die Nationalsozialisten 1936 die Olympischen Sommerspiele als Propagandaveranstaltung ausgetragen hatten.

Zu Behnischs letzten Arbeiten gehörte der Neubau der Berliner Akademie der Künste am Brandenburger Tor. Er errichtete ihn mit Werner Durth von 1999 bis 2005 und folgte auch hier seinem Prinzip des “transparenten Bauens” – mit einer Glasfassade zum Pariser Platz. Schon in der Entwurfsplanung gab es Konflikte mit den Berliner Stadtplanern, weil die Bausatzung an der historischen Stelle der Hauptstadt eigentlich keine durchgehende Hightech-Glasfassade erlaubte. Aber “ich bin gar nicht erst auf die Idee gekommen, da eine Steinfassade zu machen”, sagte Behnisch seinerzeit. “Wir wollten schon gar keine Assoziationen an die Großkotzigkeit der Hitler-Architektur und der wilhelminischen Architektur wecken.”

Was bleibt, schreibt die Stuttgarter Zeitung in Ihrem Nachruf,  ist die Erinnerung an einen Architekten und Architekturlehrer, einen einzigartigen Teamplayer und Talentförderer, der die Fähigkeit hatte, sich in der Zusammenarbeit mit anderen immer wieder neu zu erfinden; eine Persönlichkeit, die einen Standpunkt zu formulieren und öffentlich zu vertreten wusste – wenn es sein musste, auch sehr streitbar – als Baumeister, der sich seiner Verantwortung, auch der politischen Verantwortung seines Berufsstands für die Gesellschaft durch die öffentliche Wirkung seines Tuns zu jeder Zeit bewusst war. Die Frankfurter allgemeine Zeitung FAZ bezeichnete ihn angesichts seines unermüdlichen, ernsthaften und hartnäckigen Einsatzes, mit dem er gegen die Vergangenheit und für die Moderne und Zukunft baute als Heinrich Böll der Deutschen Architektur.

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