Ausgehölte Berge – alpine Architektur und Denkmalpflege.
Baukultur vs Tourismus ist der Titel der aktuellen Ausgabe von Modulor. In einer zunehmend urbanisierten Welt wird die „unberührte, wilde“ Natur stärker mystifiziert. Gerade die Berge werden zur Projektion kollektiver Sehnsüchte. Sie gelten als die letzten Mythen-Räume, in denen Menschen sich und ihre Umwelt mit allen Sinnen wieder neu entdecken wollen.
Weite Kreise möchten Eingriffe in der Natur deshalb nur dann erlauben, wenn sie unsichtbar bleiben und das vermeintlich intakte Bild der unberührten Natur nicht durch menschliche Anwesenheit zerstören. Seilbahnstationen im Berg sind erlaubt, solange man sie nicht sieht. Die Denkmalpflege handelte bis weit in die 80er-Jahre in vielen Städten nach einem ähnlichen Muster: Fassaden ausgekernter Bauten sollten erhalten bleiben, um das Bild der historisch wertvollen Stadt nicht zu zerstören. Neubauten, die auch als solche erkennbar sind, waren im historischen Umfeld kaum möglich. Inzwischen hat hier ein Umdenken stattgefunden. Ausserhalb der Städte ist man noch nicht soweit. Aber jeder, der nicht naiv in die Bergwelt schaut, weiss, dass der Mensch dort oben angekommen ist – weshalb soll man das nicht bemerken?



